Selbstverwirklichung forte: So heilst du den Schmerz des ungelebten Lebens

Selbstverwirklichung als Heilmittel

Selbstverwirklichung ist ein inflationär benutzter Begriff. Dennoch verbirgt sich dahinter eine große Sehnsucht, die wir als Mensch haben. Was ich persönlich darunter verstehe und wie du mehr Selbstverwirklichung in dein Leben bringst, findest du in diesem Artikel.

„Ich wünschte, ich hätte mehr gearbeitet und meine verrückten Träume noch konsequenter unterdrückt.“ Glaubst du, dass du solche Gedanken an dem Tag haben wirst, wenn du in die ewigen Jagdgründe hinüber wanderst?

Wohl kaum. Aus der Sterbebegleitung weiß man, dass Menschen viel häufiger verpassten Chancen nachtrauern und den Schmerz spüren, das Geschenk des Lebens nicht so richtig ausgepackt zu haben.

Welche Pille müssen wir also präventiv schlucken, um dieser Diagnose zu entgehen?

Ganz oben auf der Maslowschen Bedürfnispyramide (nein, sie steht nicht in Kairo, sondern in einem Psychologie-Buch) thront die Selbstverwirklichung.

Neben all den anderen menschlichen Bedürfnissen wie z. B. Nahrung, Sicherheit und soziale Beziehungen hat Abraham Maslow (US-Psychologe, 1908 – 1970) damals schon erkannt: auch das ist letztlich ein Bedürfnis. Also so ähnlich wie Bier, Chips und Netflix.

Leider ist dies ein Bedürfnis, das häufig im Alltagsstrudel der meisten Menschen untergeht. Wir sind zu sehr mit den alltäglichen Herausforderungen, Ablenkungen, Schreckensmeldungen und persönlichen Verpflichtungen beschäftigt, als daß wir noch Zeit und Muse für Wesentliches hätten. Das führt manche Menschen irgendwann in eine Sinnkrise. Oder zumindest im Alter zu diesem schmerzvollen Bedauern.

Lebe deinen Traum, sagt der Kreditvermittler

Aber die Zeiten ändern sich … scheinbar. Selbstverwirklichung ist nämlich mittlerweile Hype. Noch mehr als Hipster-Bärte und glutenfreie Low-Carb-Smoothies.

Der Kreditvermittler will mir „voll easy“ meine Träume verwirklichen durch ein Niedrig-Zins-Angebot. Ein Konzern lockt mich mit seiner Job-Werbung, um bei diesem Unternehmen „mein ganz eigenes Ding zu machen“ (haben die wirklich die Nerven dafür?). Und auf dem Bundeswehr-Plakat steht dreist: „Folge deiner Berufung“. Selbstverwirklichung mit der Panzerfaust.

Marketingleute wissen, wie Menschen ticken und worauf sie anspringen. Und vermutlich haben sie die Erkenntnisse von Maslow nachgegoogelt. Damit müssen wir jetzt leben.

Doch ist alles Selbstverwirklichung, was als solche verkauft wird?

Häufig eher nicht. Denn unter Selbstverwirklichung verstehen viele oft schlicht die Erfüllung der eigenen Wünsche. Doch kommen diese nicht immer von Herzen, sind teils von außen indoktriniert und dienen oft nur dazu, unser Ego zu streicheln.

Was ist dann Selbstverwirklichung?

Meiner Ansicht nach geht es primär darum, zu erkennen, welches Potenzial aus unserem wahren, authentischen Selbst heraus gelebt werden möchte. Jenseits von Ego und Panzerfaust. Jenseits aller angelernten Rollen, die wir im Alltag spielen.

Es geht um das Entfalten unserer Talente und das Ausleben unserer ureigenen Kreativität. Also das Selbst verwirklichen.

Ziel des Lebens ist Selbstentwicklung. Das eigene Wesen völlig zur Entfaltung zu bringen, das ist unsere Bestimmung.

Oscar Wilde (1854 – 1900)

Selbstverwirklichung ist dabei kein Ziel, sondern ein Prozess.

Und dieser Prozess ist eine sehr individuelle, persönliche Angelegenheit, die bei jedem Menschen unterschiedlich gelebt wird. Der eine rettet die Weltmeere. Die andere sitzt im Park und meditiert. Ein Dritter schreibt gerade einen Blogbeitrag zu diesem Thema. Alles kann Selbstverwirklichung sein.

All diese Menschen haben jedoch etwas gemeinsam: Sie fühlen sich wieder erfüllt und lebendig. Sie spüren eine innere Zufriedenheit und Sinnhaftigkeit, wenn sie das tun, wofür sie gedacht sind.

5 Schritte zu mehr Selbstverwirklichung

So individuell, wie Selbstverwirklichung nun mal ist, so individuell ist auch der Weg dahin. Ich möchte dir im folgenden als Orientierung dennoch ein paar Schritte aufzeigen, die meiner Erfahrung nach helfen, um dein Leben mehr in Richtung Selbstverwirklichung zu transformieren.

Schritt 1: Bei sich ankommen

Wenn ich mich selbst nicht erkenne, wer ich wirklich bin, kann ich mich auch selbst nicht verwirklichen.

Es geht also zuerst um Selbstfindung. Sonst besteht die Gefahr, dass wir ein Abbild dessen leben, wer wir glauben, zu sein. Nicht dass wir noch mit der Panzerfaust durch die Gegend rennen und glauben, wir folgen unserer Berufung.

Oft identifizieren wir uns mit Rollen und Vorstellungen, die oft gar nicht unser Innerstes repräsentieren. Manche sind angelernt. Einige haben wir selbst erschaffen als Schutz vor früheren Verletzungen oder um Vorteile zu erlangen. Manche sind von Außen gesteuert.

Eine Frage, die uns hier einen Schritt näher an unser Selbst heranführt: Bin ich wirklich die Stimme in meinem Kopf?

Warte mal kurz, ich frage sie. Aha, die Stimme sagt gerade: „Ja, klar!“

Aber: Wenn ich die Stimme wirklich wäre, dann könnte ich sie nicht beobachten. Logisch, oder?

Deshalb: Ich bin der, der die Stimme beobachten kann. Ich bin also eine Nummer größer bzw. weiter, als ich häufig glaube zu sein. Dieses Ding nenne ich „das Selbst“. Es entspricht unserer wahren Natur, unserem ureigenen Wesen.

Um in dieses „Selbst“ immer wieder einzutauchen, losgelöst von den üblichen Identifikationen, hilft dir folgendes:

  • Ashram-Trip nach Indien
  • 1 Monat auf dem Jakobsweg
  • Räucherstäbchen aus Thailand
  • Sternen-Essenzen aus der 7. Dimension
  • Tarotkarten von der Nachbarin

Okay, nicht alles davon ist ernst gemeint.

Manchmal macht es auch Sinn, ein passendes Coaching, ein entsprechendes Seminar oder Retreat zu besuchen, um mehr bei sich anzukommen.

Falls du gleich schon eine Übung an die Hand möchtest, dann versuche es mit dieser einfachen Form der Meditation, die du leicht in deinen Alltag integrieren kannst:

Schließe deine Augen. Beobachte dich von außen. Was denkt dieser Mensch gerade? Welche Gefühle hat er im Moment? Was hört dieser Mensch? Beobachte es ganz interessiert, ohne darauf einzusteigen. Sei ein kleines Stück davon losgelöst.

Wenn du das eine Zeit lang machst, landest du ganz automatisch in deinem Selbst.

Je öfter du in diesem „weiten Space“ deines Selbst verankert bist, um so öfter machst du ohnehin das für dich „Richtige“.

Schritt 2: Erkennen, was mich ausmacht

Potenzial kann man nur entfalten, wenn man weiß, wobei man eines hat.

Es gibt viele angehende „Superstars“ bei DSDS, die in den ersten Castings jegliches Gesangs-Potenzial vermissen lassen. Zur Belustigung des TV-Publikums und zur Verärgerung von Dieter Bohlen: „Wenn ich meinem Hund eine Currywurst in den Hintern schiebe, dann macht der auch solche Geräusche.“

Die Frage ist also: Welche Talente und Potenziale hast du in die Wiege gelegt bekommen und welche schreien danach, ausgelebt zu werden?

Folgende Fragen helfen dir auf die Sprünge:

  1. Worin bist du auf eine natürliche Weise gut, ohne dich großartig anzustrengen?
  2. Was kannst du, was andere eher nicht können?
  3. Was machst du, wenn du völlig die Zeit vergisst?

Deine Antworten auf diese Fragen geben dir erste Hinweise.

Manche Talente und Potenziale werden dir jedoch erst bewusst, wenn du mit ihnen im Leben in Kontakt kommst. Die Muse küsst beim Tun.

Ein Beispiel aus meinem Leben: Meine Deutsch-Aufsätze waren in der Schule meistens nur durchschnittlich benotet. Mein Schreibstil kam also bei meinen Deutsch-Lehrern ähnlich gut an, wie das Currywurst-Gejaule bei Dieter Bohlen. Also war mir klar: Ich kann nicht wirklich schreiben.

Dann machte ich 2009 die Entdeckung, dass ich damit falsch lag. Ich verfasste aus der Notwendigkeit heraus mehrere Texte, um ein von mir entwickeltes Online-Tool besser zu beschreiben. Und was passierte? Ich war begeistert von meinen kreativen Einfällen und war völlig beseelt. Und die Texte waren damals erfolgreicher, als meine Software. Seitdem hab ich eine neue Leidenschaft.

Hättest du mich vor dieser Erfahrung gefragt, wobei ich völlig die Zeit vergesse, wäre „Schreiben“ garantiert nicht meine Antwort gewesen.

Die Frage ist also: Was wolltest du immer schon mal ausprobieren?

Gehe auf eine Entdeckungsreise und sei überrascht, was noch alles in dir schlummert.

Tipp: Bei meinem Online-Kurs MissionFinder, der Kurs für mehr berufliche Selbstverwirklichung, gehst du als Talente-Detektiv auf genau diese Reise – mit sehr ungewöhnlichen Methoden.

Schritt 3: Erkennen, was gelebt werden will

Nun geht es ums Tun und um konkrete Veränderungen. Selbstverwirklichung, heisst auch, dass Dinge „wirklich“ werden. Also: Dass sie ganz konkret erlebt werden.

Die Frage ist also: Was nimmst du dir nun vor?

Welche Aktivitäten sind Ausdruck deiner Selbstverwirklichung? Welches attraktive Ziel möchtest du angehen, um dein Potenzial zur Entfaltung zu bringen?

Du wolltest schon immer malen, auch wenn dein früherer Kunstlehrer deine Werke in Dieter-Bohlen-Manier in der Luft zerriß? Scheiß drauf! Kauf dir ein Malset und lege los.

Du möchtest ein Buch schreiben zu einem bestimmten Thema? Es gibt heutzutage nichts mehr, was dich dabei aufhalten könnte. Selbst ich hab das geschafft.

Du möchtest dich beruflich in eine neue Richtung verändern, die mehr deinen Talenten und deiner Berufung entspricht? Dann mach das und gehe dafür die ersten konkreten Umsetzungsschritte.

Gehe in Aktion. Probiere Dinge aus. Und lerne aus deinen Erfahrungen.

Tipp: Da erfahrungsgemäß nach dem Zauber des Anfangs die Motivation im Alltag den Bach runter geht, hab ich als Lösung die Web-App dranbleiben entwickelt. Hier findest du einzigartige Methoden, damit du auch in schwierigen Zeiten am Ball bleibst.

Schritt 4: Überwinden, was mich daran hindert

Vielleicht hast du mittlerweile sogar eine erste Idee, wie du mehr Selbstverwirklichung in dein Leben bringen könntest.

Und jetzt geht die Show los: Wir präsentieren auf unserer inneren Gedankenbühne den imaginären Showmaster mit den „Top 5“ der häufigsten Einwände:

  • „Was wird da mein Schatzi sagen?“
  • „Was werden da die anderen denken?“
  • „Dabei könnte ich Geld verlieren.“
  • „Das kann ich eh nicht.“
  • „Dafür fehlt mir die Ausdauer.“

Wenn du heimlich mit den Wasserfarben deines Kindes deine Malkünste im Schutz der Nacht ausprobierst, dann sind diese Stimmen im Kopf noch ruhig. Je sichtbarer du wirst und je sichtbarer dein „Anders sein“ wird, um so belebter wird der interne Gedankenverkehr.

Dahinter stehen Ängste und Befürchtungen. Hinderliche Glaubenssätze und Überzeugungen. Schutzmechanismen, die wir uns in unserer Kindheit zugelegt haben, um frühere Verletzungen nie wieder erleben zu müssen.

Folgst du diesen Dingen, bleibt alles wie gehabt. Sie halten dich da, wo du heute stehst.

Gibt es noch dazu nahe stehende Menschen, die etwas gegen dein Projekt einzuwenden haben, dann wird dein Vorhaben gleich zu Beginn gewaltig auf die Probe gestellt.

Das führt dann ziemlich schnell zu folgender Frage: Wie wichtig ist dir das wirklich?

Bist du bereit, dich dem zu stellen? Ist deine Sehnsucht nach Selbstverwirklichung größer, als die inneren und äußeren Widerstände?

Mein Tipp: Setze dich damit auseinander. Mach dir deine Ängste bewusst. Stelle dich alten, verdrängten Gefühlen. Entlarve falsche Überzeugungen und verankere neue, hilfreichere Glaubenssätze in dir.

Gehe kleine Risikoschritte aus deiner Komfortzone heraus. Fällst du dabei hin, dann steh wieder auf. Der Weg der Selbstverwirklichung ist immer auch ein Weg des persönlichen Wachstums.

Du kannst diesen Weg alleine gehen oder du tauscht dich mit guten Freuden aus. Du kannst dir auch professionelle Unterstützung durch einen Coach holen, damit du dich in diesen Dingen nicht verlierst und dir deine blinden Flecken bewusst werden.

Schritt 5: Raum nehmen, um es zu tun

Vielleicht hast du nun eine erste Klarheit, was dich ausmacht. Du hast eine konkrete Idee, was du angehen willst. Und es fühlt sich richtig gut an.

Aufkommende Ängste und Widerstände kannst du annehmen und du machst es trotzdem. Eben, weil es sich stimmig anfühlt. Du wagst den Sprung.

Dennoch: Ein „normales“ Alltagsleben ist ziemlich vollgepackt mit beruflichen und familiären Verpflichtungen. Andere sollen nicht durch das neue Vorhaben leiden. Doch abends sind die meisten Menschen dann zu platt, noch irgendetwas anderes zu tun, als auf RTL dem Bachelor beim Verteilen seiner Rosen zuzuschauen.

Geht es dir auch so?

Dann machen wir zum Abschluss, angelehnt an den Einstieg dieses Artikels, eine gedankliche Zeitreise zu dem Tag, wenn in hohem Alter deine Aufenthaltsgenehmigung auf diesem Planeten schön langsam zu Ende geht.

Was würde dein zukünftiges Ich dem heutigen Ich raten?

Am besten schließt du dafür kurz deine Augen, schwingst dich gedanklich auf dein zukünftiges Ich ein und achtest auf die Impulse, die in dir hochkommen.

Was wäre ein Lösungsansatz, um in deiner aktuellen Situation vorwärts zu kommen?

Ausblick

Wenn du diesen Artikel bis zum Schluss gelesen hast, dann hast du bereits eines bewiesen: Ausdauer. Und meiner Erfahrung nach braucht man die auch, um mehr Selbstverwirklichung in sein Leben zu bringen.

Damit du deine Ausdauer noch weiter entwickelst, ist es sinnvoll, zuerst mit kleinen Schritten zu starten. Sonst wirst du innerlich zu viel Widerstand spüren, wenn du neue Wege gehst.

Erweitere mit der Zeit immer mehr die Räume in deinem Leben, in denen du deinen wahren Talenten und deinen Herzenszielen folgst. Bis irgendwann dein ganzes Leben ein Ausdruck von Selbstverwirklichung ist. Klingt nach einem guten Plan, oder?

Übrigens: Weiterführende, witzig verpackte Inspiration zu diesem Thema findest du auch in meinem Buch.

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Christian Kirschner

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